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descriptionBesteck
Magersucht, Bulimie und unkontrollierte Essattacken – Essstörungen haben ganz unterschiedliche Formen, können jedoch immer lebensgefährlich werden.
descriptionFüße auf der Waage
Typisch für Magersüchtige - obwohl bereits extrem schlank, empfinden sie sich immer noch als zu dick und können sich tatsächlich zu Tode hungern.
descriptionPizza essen
Unmengen verschlingen und danach mit Erbrechen die Essattacken ungeschehen machen wollen ist das Kennzeichen dieser Essstörung.
descriptionSatter Mann vor halbvollem Teller
Unstillbarer Appetit, maßlose Essgelage, danach quälende Selbstvorwürfe und ständig steigendes Übergewicht sind die Probleme, die diese Essstörung verursacht.
descriptionMenschen halten sich an der Hand
Zwang ist der falsche Weg im Kontakt mit essgestörten Menschen. Verständnis, Geduld und professionelle Hilfe haben die besten Erfolgsaussichten.
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Essstörungen: Wenn die Seele hungert

Jede vierte Frau in Deutschland ist essgestört. Doch immer jüngere Menschen und zunehmend auch Männer haben Essstörungen. So zeigten 2009 in einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Ernährung schon 17 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen ein auffälliges Essverhalten.

Im Überblick



Schwieriges Verhältnis zum Essen

Das Körpergewicht von Menschen mit Essstörungen kann ganz unterschiedlich sein. Aber eines haben sie gemeinsam: Ein krankhaftes Verhältnis zum Essen, das vom wahllosen In-sich-hinein-Stopfen großer Nahrungsmengen bis hin zur Verweigerung jeglicher Nahrungsaufnahme reicht. Dahinter versteckt sich der hilflose Versuch, mit emotionalen Problemen fertig zu werden: Innere Konflikte werden über das Essen ausgelebt und das Gefühl der inneren Leere mit Essen gefüllt. Ein geringes Selbstwertgefühl, Kontrollzwang aber auch Kontrollverlust, der Zwang zur Wiederholung und die zunehmende soziale Isolation sind die ständigen Wegbegleiter von Menschen mit Essstörungen.
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Begleitende Krankheiten

Erschwerend kommt hinzu, dass Essstörungen oft gleichzeitig mit anderen körperlichen oder psychischen Krankheiten und Abhängigkeiten auftreten, wie zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Depressionen, Angststörungen, Medikamentenmissbrauch und Alkoholabhängigkeit.
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Welche Essstörungen gibt es?

Als Essstörungen im engeren Sinne werden nur die Essgewohnheiten bezeichnet, die gesundheits- beziehungsweise lebensgefährdend sind. Es gibt jedoch auch Mischformen und die Übergänge sind fließend. Die häufigsten Formen sind: Magersucht (Anorexia nervosa), Bulimie (Bulimia nervosa) und Binge Eating Disorder (BED, regelmäßige Essanfälle ohne Erbrechen).

Sie sind mit ihren kennzeichnenden Symptomen in den international gebräuchlichen Verzeichnissen der Krankheiten (International Classification of Diseases, ICD) oder der psychischen Störungen (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, DSM), festgelegt.

Weitere Zwischenformen bzw. Probleme im Zusammenhang mit dem Essverhalten sind zum Beispiel Orthorexie, Adipositas und Übergewicht sowie das Pica-Syndrom.
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Orthorexie: Besessen von gesundem Essen

Orthorexie (griech.: ortho = richtig, orexis = Appetit) geht auf den amerikanischen Mediziner Dr. Steve Bratman zurück, der den Begriff erstmals im Jahre 1997 prägte. Menschen mit Orthorexie sind extrem auf gesunde Lebensmittel fixiert. Oftmals geschieht dies aus dem Wunsch heraus, chronische Erkrankungen zu überwinden, Gewicht zu verlieren, den allgemeinen Gesundheitszustand zu verbessern oder schlechte Ernährungsgewohnheiten abzulegen. Im Gegensatz zur „klassischen“ Bulimie oder Magersucht steht hier also nicht die Quantität der Nahrungsmittel im Vordergrund, sondern deren Qualität. Schritt für Schritt werden vermeintlich ungesunde Produkte vom Essensplan gestrichen. Einseitige und gar Mangelernährung können die Folge sein. Gleichzeitig verlieren die Betroffenen durch ihre extreme Fixierung auf gesunde Lebensmittel die Fähigkeit, Mahlzeiten lustvoll zu genießen.

Die sozialen Auswirkungen sind weitaus gravierender als die gesundheitlichen: Orthorektiker grübeln ständig über die Beschaffung reiner, gesunder und unbelasteter Lebensmittel nach und zerbrechen sich fortwährend über einen bekömmlichen Speiseplan den Kopf. Ihre Einteilung in „gesund“ und „ungesund“ wird mit der Zeit immer strenger und oft wird auch versucht, das soziale Umfeld zu bekehren. Fatal ist, dass die Betroffenen nicht wahrhaben wollen, dass sie krank sind, sondern meinen, auf dem idealen Weg zu sein.
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Adipositas (Fettsucht) und Übergewicht

Begriffe wie „Fettsucht“, „Fettleibigkeit“, „Übergewicht“, und „Adipositas“ werden in Deutschland synonym gebraucht und beschreiben Menschen, die „schwerer“ sind als andere und meistens über vermehrtes Körperfett verfügen. Streng genommen beginnt Übergewicht mit einem BMI ab 25 und die Adipositas mit einem BMI ab 30.

Die Adipositas ist streng genommen keine psychische, sondern eine körperliche Erkrankung. Dabei können ganz unterschiedliche Formen von falschem Essverhalten vorliegen, wie zum Beispiel eine einseitige Ernährung, eine übermäßige Nahrungsaufnahme oder aber auch Essanfälle. So ist die Essstörung Binge Eating Disorder (BED) bei Menschen mit Adipositas nicht selten: Während die mittlere Häufigkeit von BED in der Bevölkerung zwischen zwei und vier Prozent schwankt, ist sie bei adipösen Menschen mit einer Häufigkeit von fünf bis zehn Prozent zu finden. Da Adipositas und Übergewicht jedoch nicht zwangsläufig mit gestörtem Essverhalten verbunden sind, zählen sie nicht zu den klassischen Essstörungen.

Neben ernsthaften medizinischen Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes mellitus gehen Übergewicht und Adipositas häufig mit gravierenden seelischen Problemen einher, da in der Gesellschaft Übergewicht und Adipositas abgelehnt und als Makel angesehen werden. Soziale Diskriminierung und Depressionen können dabei schnell in die soziale Isolation führen.
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Pica-Syndrom: Wenn merkwürdige Dinge gegessen werden

Um eine Störung des Appetits geht es beim Pica-Syndrom. Menschen mit Pica-Syndrom haben einen abnormen Appetit auf Ungewöhnliches, Ungenießbares, Widerliches oder Ekelerregendes. Die Betroffenen essen zum Beispiel Erde, Papierschnipsel, Kreide, Ton, kleine Plastikspäne und mitunter auch Exkremente (Koprophagie). Die Erkrankung kommt vor allem bei Menschen mit geistiger Behinderung oder Demenz vor. Das Vorliegen eines Pica-Syndroms ist keineswegs harmlos, denn die Betroffenen setzen sich dabei einem großen Vergiftungs- und Infektionsrisiko aus. Gleichzeitig kann eine einseitige Ernährung bis hin zur Unterernährung sowie ärztlich zu behandelnde Verstopfungen auftreten.
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Ursachen von Essstörungen

Essstörungen können aufgrund einer komplexen Wechselwirkung zwischen biologischen, psychosozialen und soziokulturellen Faktoren entstehen. Auch genetische Ursachen von Essstörungen werden mittlerweile angenommen. So haben beispielsweise Angehörige eines Familienmitglieds mit Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa ein erhöhtes Risiko, eine Essstörung zu entwickeln. Auch sind Abweichungen in der biologischen Regulation des Hunger- und Sättigungsverhaltens bei Essgestörten vorstellbar.

Medien verbreiten extremes Schlankheitsideal


Die Zunahme von Essstörungen liegt sicher auch im vorgegaukelten Schlankheitsideal und dem Versuch vieler Menschen, diesem durch Diäten zu entsprechen. Um Essstörungen vorzubeugen sollte es deshalb das Ziel sein, das extreme gesellschaftliche Schlankheitsideal zu hinterfragen, das Selbstwertgefühl zu stärken und ein Bewusstsein für ein normales Körpergewicht zu vermitteln.

Essen zur Bewältigung emotionaler Probleme

Essstörungen sind ernste psychosomatische Erkrankungen, die die Betroffenen meist nicht ohne professionelle Hilfe von Ärzten und Beratungsstellen überwinden können. Es geht nur vordergründig um ein abnormes Essverhalten. Deshalb darf sich die Behandlung nicht darauf beschränken, die Symptome zu heilen, wie zum Beispiel ein normales Körpergewicht zu erreichen oder die Anzahl der Ess- oder Brechanfälle pro Tag zu verringern. Es geht vielmehr darum, Bewältigungsstrategien für den Umgang mit emotionalen Stressoren zu entwickeln, so dass der Betroffene nicht mehr auf zuviel oder zuwenig essen zurückgreifen muss.
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Gabel mit Nudeln
© Shutterstock
Essen als Problem: Essstörungen reichen von nächtlichen Fressattacken vor dem Kühlschrank bis zur Verweigerung jeglicher Nahrungsaufnahme. Die Ursachen sind komplex, es wirken psychische, soziale und kulturelle Faktoren zusammen.
Tomaten
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Menschen mit Orthorexie sind extrem auf gesundes und qualitativ hochwertiges Essen fixiert. Sie verzichten auf vermeintlich ungesunde Produkte und zerbrechen sich den Kopf über reine und unbelastete Lebensmittel. Mangelernährung kann die Folge sein.
Schlanke Frau
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Das gesellschaftliche Schönheitsideal, das die Medien vermitteln, suggeriert den Menschen, dass ein schlanker Körper die Voraussetzung für Anerkennung und Erfolg ist. Viele, die dem Ideal nicht entsprechen, versuchen, die Traumfigur durch Hungerkuren zu erreichen.