Dieser Inhalt benötigt den Adobe Flash Player. Diesen können Sie unter http://www.adobe.com/go/getflashplayer kostenlos herunterladen.
descriptionBesteck
Magersucht, Bulimie und unkontrollierte Essattacken – Essstörungen haben ganz unterschiedliche Formen, können jedoch immer lebensgefährlich werden.
descriptionFüße auf der Waage
Typisch für Magersüchtige - obwohl bereits extrem schlank, empfinden sie sich immer noch als zu dick und können sich tatsächlich zu Tode hungern.
descriptionPizza essen
Unmengen verschlingen und danach mit Erbrechen die Essattacken ungeschehen machen wollen ist das Kennzeichen dieser Essstörung.
descriptionSatter Mann vor halbvollem Teller
Unstillbarer Appetit, maßlose Essgelage, danach quälende Selbstvorwürfe und ständig steigendes Übergewicht sind die Probleme, die diese Essstörung verursacht.
descriptionMenschen halten sich an der Hand
Zwang ist der falsche Weg im Kontakt mit essgestörten Menschen. Verständnis, Geduld und professionelle Hilfe haben die besten Erfolgsaussichten.
  • Schriftgröße normal
  • Schriftgröße mittel
  • Schriftgröße maximal

Bulimie (Bulimia nervosa): Wenn Ess-Brech-Anfälle das Leben bestimmten

Bulimie wird auch als Ess-Brech-Sucht bezeichnet. Bei Heißhunger- und Essanfällen, die aus einem Gefühl der inneren Leere heraus auftreten, werden in kurzer Zeit große Nahrungsmengen verschlungen. Dabei bevorzugen Betroffene hochkalorische, leicht zu konsumierende Nahrungsmittel. Die Essanfälle werden als Kontrollverlust und als sehr belastend erlebt. Diesen Anfällen folgen absichtliches Erbrechen, der Missbrauch von Abführmitteln und harntreibenden Medikamenten sowie rigoroses Fasten, das oft durch die Einnahme von Appetitzüglern und/oder Schilddrüsenhormonen unterstützt wird. Darüber hinaus versuchen viele Menschen mit Bulimie einer drohenden Gewichtszunahme vorzubeugen, indem sie extrem sportlich und überaus aktiv sind.

Im Überblick



Definition

Ähnlich der Magersucht haben Menschen mit Bulimie eine gestörte Körperwahrnehmung und eine übergroße Furcht davor, zuzunehmen. Doch nach außen sind ihr Erscheinungsbild und ihr Umgang mit Essen völlig normal. Denn Menschen mit Bulimie sind meist normalgewichtig, eher angepasst, diskret und unauffällig. Die Ess-Brech-Attacken finden in aller Heimlichkeit statt. Die Betroffenen schämen sich für ihr bulimisches Essverhalten, das häufig von einem Gefühl des Ekels vor sich selbst und depressiven Verstimmungen begleitet ist. Oft kommen Mehrfachabhängigkeiten – zum Beispiel mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten – und selbstverletzendes Verhalten vor.

Die Häufigkeit

Schätzungen zufolge leiden zwei bis vier Prozent in der Risikogruppe der 18- bis 35-jährigen Frauen an Bulimie. Genaue Angaben sind wegen der hohen Dunkelziffer dieser Erkrankung nicht möglich. Die Zahl der Neuerkrankungen nimmt aber ständig zu und ist höher als bei der Magersucht. Auch ist das Alter bei Erkrankungsbeginn – zwischen 20 und 30 Jahren – meist etwas höher. Bulimie kann aber auch in der Folge einer Magersucht auftreten. Bulimische Menschen sind zumeist weiblich (90 Prozent), treten oft sehr kontrolliert, zielstrebig und ehrgeizig auf und stammen aus der sozialen Mittelschicht. Zwischen den Essattacken haben sie ihr Leben äußerlich gut im Griff und sind in ihrem Lebensbereich erfolgreich.
↑ nach oben

Ursachen der Bulimie

Jeder Mensch mit Bulimie hat einen ganz individuellen Leidensweg hinter sich. Dabei können verschiedene Faktoren in ihrem Zusammenwirken die Entstehung einer Bulimie begünstigen:
  • Gesellschaftliches Schlankheitsideal
    Schlanksein wird als Garant für Selbstwertgefühl und Erfolg in allen Lebensbereichen angesehen und verleitet zu ersten Diätversuchen.
  • Überangebot an Lebensmitteln
    Bulimie tritt nur dort auf, wo Lebensmittel zu jeder Zeit und in jeder Menge verfügbar sind. In Ländern mit Nahrungsmangel gibt es keine Bulimie.
  • Genetische Einflüsse
    Bulimie tritt familiär gehäuft auf beziehungsweise in Verbindung mit anderen psychischen Störungen in der Familie. Es kann auch ein generell niedriger Energieverbrauch vorliegen, sodass grundsätzlich eine Neigung zu Übergewicht besteht. Oftmals ist auch der Spiegel von Botenstoffen, die das Sättigungsgefühl und die emotionale Befindlichkeit beeinflussen, niedriger als bei gesunden Menschen.
  • Persönliche Eigenschaften
    Bulimiepatienten haben oft Minderwertigkeitsgefühle, überzogene Ansprüche an sich selbst und orientieren sich stark an der Meinung anderer. Mit überragenden Leistungen möchten sie Zuneigung erkaufen. Sie haben eine Neigung zur Konfliktvermeidung und ein hohes Harmoniebedürfnis. Sie sind recht schnell frustriert und haben häufig eine generelle Neigung zum Kontrollverlust.
  • Lernerfahrungen
    Wenn in der Kindheit Essen als Belohnung oder zur „Problembewältigung“ eingesetzt wurde, so neigen Betroffene auch später dazu, sich bei gedrückter Stimmung „etwas“ zu gönnen. Vor allem dann, wenn keine andere Art der Problembewältigung gelernt wurde.
  • Familiäre Einflüsse
    Einige Betroffene waren in ihrer Kindheit stark behütet, wurden bevormundet und kamen aus Familien, in denen der Leistungsgedanke im Vordergrund stand und in denen Konflikte nicht gelöst, sondern vermieden wurden. Sie mussten sich zusammenreißen und durften sich nicht gehen lassen.
  • Veränderungen, psychische Irritationen, traumatische Erlebnisse
    Stimmungsschwankungen, depressive Störungen und Krisensituationen – zum Beispiel größere Veränderungen des vertrauten Umfeldes oder traumatische Erlebnisse, wie zum Beispiel der Verlust einer Bezugsperson oder sexueller wie körperlicher Missbrauch – können eine Bulimie auslösen.
  • Diätverhalten
    Durch häufige Diäten treten die natürlichen Mechanismen zur Steuerung der Nahrungsaufnahme wie Hunger und Sättigung in den Hintergrund.

↑ nach oben

Symptome der Bulimie

Folgende typischen Symptome treten bei der Bulimie auf:
  • Normalgewicht
    Das Körpergewicht liegt meist im Normalbereich, kann jedoch Schwankungen aufweisen.
  • Fressanfälle
    Ein Bulimiekranker isst bei einer Essattacke deutlich mehr als die meisten Menschen unter gleichen Umständen im gleichen Zeitraum essen könnten. Dabei können die Betroffenen über 5.000 Kilokalorien pro Anfall zu sich nehmen. Die Essattacken und das kompensatorische Verhalten treten über mindestens drei Monate und durchschnittlich zweimal pro Woche auf und finden in aller Heimlichkeit statt.
  • Kontrollverlust
    Betroffene haben das Gefühl, während einer Fressattacke die Kontrolle über sich zu verlieren.
  • Kompensationsverhalten
    Eine Gewichtszunahme verhindert ein Bulimiekranker zum Beispiel mit selbst herbeigeführtem Erbrechen, Missbrauch von Arzneimitteln wie etwa Abführmittel, Diuretika, Schilddrüsenhormonen und Appetitzügler, durch zeitweilige Hungerphasen und durch übermäßige körperliche Aktivität.
  • Furcht vor Gewichtszunahme
    Fast alle Menschen mit Bulimie haben panische Angst vor einer Gewichtszunahme und entwickeln eigene Essensrituale und Kontrollmaßnahmen, wie tägliches Wiegen, um ihr Gewicht zu halten.
  • Körperschema-Störung
    Obwohl Menschen mit Bulimie meist normal- beziehungsweise idealgewichtig sind, fühlen sie sich entweder insgesamt oder an bestimmten Körperstellen zu dick. Das Selbstwertgefühl wird übermäßig durch die subjektive Wahrnehmung der eigenen Figur und des Körpergewichtes beeinflusst.
  • Krankheitsbewusstsein
    Im Gegensatz zu Magersüchtigen nehmen Menschen mit Bulimie ihre Erkrankung durchaus als solche wahr und haben einen hohen Leidensdruck und Schuldgefühle. Doch das Erbrechen und die Krankheit werden verheimlicht. Nach Offenbarung der Krankheit besteht jedoch eine hohe Therapiebereitschaft.

↑ nach oben

Folgen der Bulimie

Körperliche Folgen:
  • Durch das häufige Erbrechen und die Hungerphasen zwischen den Essanfällen kann es zu Elektrolytentgleisungen und Fehlernährung kommen. Müdigkeit, Antriebsmangel und Konzentrationsstörungen wie auch Herzrhythmus- und Hormonstörungen sind die Folge.
  • Die Speicheldrüsen schwellen durch das ständige Erbrechen an, sodass Menschen mit Bulimie oftmals regelrechte Hamsterbacken haben. Die Magensäure gelangt in die Speiseröhre und kann zu Sodbrennen, Verätzungen und Entzündungen führen. Der Zahnschmelz wird angegriffen und die Entstehung von Karies begünstigt.
  • Die großen Mengen verschlungener Nahrungsmittel stellen eine Belastung für den Magen dar, sodass es zu chronischer Magenerweiterung bis hin zu Magenwandperforationen und -rissen kommen kann.
  • Die Einnahme von zum Teil hoch dosierten Medikamenten ist zusätzlich stark gesundheitsschädigend und kann zu Nierenversagen oder Leberschädigung führen.
  • Da bei der Bulimie der Kontrollverlust charakteristisch ist, sind oft Missbrauch von Drogen und Alkohol sowie Selbstverletzungen mit dieser Erkrankung verbunden.

Psychische Folgen:

Aufgrund des Kontrollverlustes bei der Nahrungsaufnahme entstehen Scham- und Schuldgefühle, die zusammen mit der ständigen Furcht vor der Entdeckung der Essstörung durch andere in die soziale Isolation führen können. Zusätzlich können Angstzustände, Depressionen und Selbsttötungsgedanken auftreten. Einige Betroffene entwickeln im Verlauf der Erkrankung auch eine Persönlichkeitsstörung.

Finanzielle Probleme

Neben den gesundheitlichen Folgen haben die Betroffenen mit noch ganz anderen Problemen zu kämpfen: Durch den hohen Nahrungsmittelkonsum und die Ausgaben für Medikamente passiert es leicht, dass Betroffene Schulden machen oder im schlimmsten Fall kriminell werden.
↑ nach oben

Therapie der Bulimie erfolgt zweigleisig

Körperliche Stabilisierung durch normales Essverhalten

Im Gegensatz zu Magersüchtigen befindet sich das Gewicht der Erkrankten nicht im kritischen, die Körperfunktionen gefährdenden Bereich, sodass meistens keine stationäre Behandlung notwendig ist. Es sei denn, es liegen gravierende medizinische Komplikationen vor – zum Beispiel Elektrolytentgleisungen, eine Chronifizierung der bulimischen Episoden oder Doppelerkrankungen, zum Beispiel mit Diabetes mellitus.

Förderung der Selbstkontrolle

Bei der Therapie der Bulimie geht es in erster Linie darum, die Ess-Brech-Attacken zu reduzieren. Dazu muss das alltägliche Essverhalten normalisiert werden: Das bedeutet nicht nur eine ausreichende Kalorienzufuhr, sondern auch eine angemessene Zusammensetzung der Nahrung sowie die Regelmäßigkeit der Nahrungsaufnahme. Den Betroffenen soll geholfen werden, ihr Essverhalten objektiver wahrzunehmen und die Kontrolle über die Essanfälle zurückzugewinnen. Das langfristige Ziel der Therapie ist ein Essverhalten, das durch eine Vielfältigkeit der Nahrungsmittel, Genuss und eine Orientierung am Appetit auf bestimmte Nahrungsmittel gekennzeichnet ist.

Psychotherapie für mehr Selbstsicherheit und Konfliktfähigkeit

Ein langfristiger Therapieerfolg ist aber nur zu erwarten, wenn auch die ursächlichen Faktoren behandelt werden. Zentrale Ansatzpunkte sind hierbei die Verbesserung des Selbstwertgefühls und die Veränderung der verzerrten Einstellungen und Überzeugungen bezüglich Körper und Gewicht sowie der angemessene Umgang mit Problemen. Hierzu müssen die Einstellungen des Betroffenen zur Nahrung, zum Gewicht und zur verzerrten Körperwahrnehmung aufgearbeitet und bewusst gemacht werden. Nur so lassen sich das geringe Selbstwertgefühl und die perfektionistischen Maßstäbe ändern. Zudem ist es wichtig, dass Bulimiepatienten lernen, wie sie mit Stimmungsschwankungen, Konflikten und Belastungen umgehen und das übermächtige Bedürfnis nach Schlankheit überwinden können, ohne auf schädigendes bulimisches Verhalten zurückgreifen zu müssen. Diese Verhaltensweisen müssen dann langfristig trainiert werden.

Gestaltungs- und Familientherapie

Gestaltungstherapien wie die Mal- oder Musiktherapie, können die Therapie unterstützen, indem sie Patienten ermöglicht, auf eine ganz andere Art Gefühle und Konflikte auszudrücken. Um den Familienmitgliedern den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern oder Störungen in der Familie direkt anzugehen, werden bei der Behandlung auch die Angehörigen der Betroffenen mit einbezogen. Dabei soll gemeinsam festgestellt werden, welche Faktoren zur Aufrechterhaltung der Bulimie beitragen und dann zum Beispiel ein angemessener Umgang mit Konflikten eingeübt werden.
↑ nach oben

Frau vor dem Kühlschrank
© Shutterstock
Die Essattacken von Bulimiepatienten finden in aller Heimlichkeit statt. Meist sind die Betroffenen normalgewichtig, unauffällig und eher angepasst. Ihr Erscheinungsbild und ihr Umgang mit Nahrung wirken nach außen hin völlig normal.
Regale im Supermarkt
© Shutterstock
Das Überangebot an Nahrung ist die Voraussetzung für Bulimie. Sie tritt nur dort auf, wo Lebensmittel jederzeit und in jeder Menge verfügbar sind. In Ländern mit Nahrungsmangel gibt es keine Bulimie.
Grafik: Verdauungsorgane
© Shutterstock
Der Magen wird durch die großen Nahrungsmengen stark belastet. Es kann zu einer chronischen Magenerweiterung bis hin zu Perforationen und Rissen kommen. Das ständige Erbrechen kann zu Sodbrennen und Verätzungen der Speiseröhre führen.
Pinsel
© Shutterstock
Malen oder Musizieren im Rahmen der Gestaltungstherapie können die Behandlung von Bulimiepatienten unterstützen. Sie ermöglicht ihnen, ihre Gefühle und Konflikte auf eine andere Art auszudrücken.